Bericht von Projektleiter Robert
Kriz
Allgemeines
Die Tauchgänge
Weitere Forschung
Wir danken
Allgemeines
Gestärkt durch die Erfahrungen des letzten Jahres und mit
beinahe identer Tauchmannschaft (Florian Wicke neu,
Gustl Seywald fiel wegen einer Operation an der Schulter aus), aber
gesteigerten Ansprüchen und größerem Aufwand, fand
heuer die Fortsetzung unseres Forschungsprojektes
Palfauer Wasserloch vom 12.-23. August statt.
Von April bis Juli wurden ein neuer, verbesserter drehbarer
Kran, sowie eine über dem ersten Wasserfall am
Höhleneingang positionierte Arbeitsplattform auf den Berg
getragen und eingebaut. Beides bewährte sich gut, denn
aufgrund der lang anhaltenden und heftigen Regenfälle
(Zitat: „wenn´s so weiter regnt, werd´ i mit der Suppn nie
fertig“) wären heuer sonst statt der durchgeführten 11
Tauchgänge in 8 Tagen nur 3 möglich gewesen.
Der
Materialaufwand stieg heuer auf knappe 4 Tonnen
Ausrüstung, Technik- und Einbaumaterial, wobei in 216
Aufstiegen durch die Klamm 2.200 kg auf dem Rücken der
Teilnehmer auf den Berg und 3.000 kg ins Tal gebracht
wurden. Der Rest konnte heuer per Hubschrauber – bei
schwierigen Witterungsbedingungen mittels hängender
Außenlast – durch eine schmale Anflugschneise im
Bergwald auf ein 4x1,5 m großes Zielgebiet am Berghang
durch Heeresspezialisten transportiert werden; eine
deutliche Erleichterung für die 10 ständigen und 18
zeitweiligen Expeditionsteilnehmer.
Trotz des
kurzfristigen Ausfalles einiger Spezialisten
konnten durch das kräftige Zupacken der Helfer bis zu 3
Tauchgänge pro Tag reibungslos durchgeführt werden. 166
Materialfahrten mit der Seilwinde waren für die Forschung
und anschließende Filmarbeiten notwendig, ebenso der
Einbau einer Rettungsstrecke für den Notfall. Franz Bina
stand uns für alle Tauchtage als Hyperbarmediziner und
Notarzt gemeinsam mit Andy Bigler und Margit Decker als
Einsatzpersonal der Höhlenrettung Niederösterreich zur Verfügung.
Die Tauchgänge
Die Höhle wurde in 11 Tauchvorstößen mit 76 Flaschen bis
zu Ihrem tiefsten Punkt auf minus 71 Meter betaucht,
vollständig vermessen und die 3 Seitengänge befahren. Der
erste, schon 2003 entdeckte, steigt senkrecht bis auf 13
Meter an, wird sehr schlammig und kleiner als 50 cm,
so dass Martin ihn auch mit Minimalausrüstung nicht
befahren konnte.
Als Grundgase wurden ausschließlich nicht-narkotische
Nitrox- und Trimixgemische verwendet, zur Dekompression
Nitrox und Reinsauerstoff.
Die beiden anderen Seitengänge erwiesen sich als
Schuppen, die blind enden: die eine auf 28 Meter waagrecht
(ca. 8 Meter lang), die andere von 33 bis 42 führt wieder in
die Hauptkluft zurück. Diese Schuppe ist am Rand
messerdünn und teilt sich in ihrem Verlauf
nochmals in mehrere dünne Lamellen, weshalb sie den
Namen „Luftfilter“ erhielt.
Der Hauptgang zieht als Kluftspalt mit zahlreichen
Schuppen und Auskolkungen in einer Länge von 10-15
m
und 1 - 4,5 m Breite in Richtung Süd-Nord mit geringer
Ostabweichung. Er ist um 12 Grad nach Osten
geneigt und um sich torquiert senkrecht bis 33 Meter.
Danach verläuft er in einem Winkel von ca. 45 Grad
bis ca. minus 65 Meter, um dann 20 Meter gerade auszulaufen.
Bodenbeschaffenheit: Von 33 Meter bis 65 Meter Tiefe eine
Schutthalde aus größeren und kleineren Versturzblöcken,
von minus 65 Meter bis minus 71 Meter zuerst Kies, dann Sand.
Danach steigt der Siphon in einem senkrechten, glattwandigen
Schacht an, der bis 55 Meter betaucht wurde.
Mehrere kleinvolumige, aber strömungsstarke Zuflüsse
zwischen 12 und 6 Meter Wassertiefe. Die Sicht schwankte
zwischen einem und vier Meter, abhänging von der
Schüttung - am meisten Sediment wird von den Zuflüssen
zwischen 12 und 6 Meter Wassertiefe eingebracht.
Der Wasserstand im Höhleneingang schwankte
witterungsbedingt zwischen 40 und 240 cm, die Taucher
mussten zeitweise mit Zugseilen und Umlenkungen zur
Abtauchzone „gezerrt“ werden. Ein Temperatur- und
Drucklogger wurden angebracht und zweimal täglich
Wasserproben für das Hydrologische Institut entnommen.
Filmaufnahmen für die LAG Gesäuse/Eisenwurzen und
Betreuung des, mit den ungewohnten Bedingungen
geforderten, Kamerateams, ließen auch die letzten Tage
nicht langweilig werden.
Zeit und Personal für den Abbau und Abtransport am Sonntag
Abend und Montag waren eng bemessen. Bis zu 3 Auf- und
Abstiege mit 30-40 kg Rücklast waren notwenig - am
Klammsteig waren eigentlich nur Rucksäcke mit Beinen zu
sehen. Ohne die Bergrettung, die uns und die
Filmmannschaft mit ihren breiten Rücken unterstützte und
Patricia, die vielen Klammbesuchern Ausrüstungsgegenstände
zum Tragen anhängte, wäre es in der kurzen Zeit nicht zu
bewerkstelligen gewesen. Unvergessen bleibt mir die Dame,
die mir am Steig begegnete – mit meinen Flossen in der einen
und dem
Sonnenschirm der Tauchplattform in der anderen Hand -
und mich nach dem Weg zum Strand fragte.
Weitere Forschung
Als nächstes Ziel stellt sich die Oberflächensuche nach
weiteren Zugängen zum ansteigenden Ast des Siphons und
seine Betauchung von der einen oder anderen Seite. Dazu
sind Investitionen in Ausrüstung, Technik und Sponsoren
nötig, denn schon jetzt bewegt sich die Tauchgangszeit
zwischen 77 und 106 Minuten bei 5-6 Grad
Wassertemperatur.
Wir danken
Für dieses Jahr danken wir allen Teilnehmern und Helfern
für ihren hervorragenden Einsatz, der Höhlenrettung
Niederösterreich mit den Einsatzstellen Wien,
Niederösterreich West und Neunkirchen, der Wasser-Rettung
St. Pölten, der Gemeinde Palfau, der LAG Gesäuse-
Eisenwurzen, den Österreichischen Bundesforsten, der
Wasserlochschenke sowie den Firmen KMR, Fulda,
Speleoconcepts, H20 & Co, Scubanautic, Aquarius Rex und
der Schlosserei Bruckmüller.
Robert Kriz
Projektleiter
Bat-Diver Exploration Team
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